Blühende Wiese

Bedürfnisorientierte Erziehung ist kein Wunschkonzert

Alle Eltern möchten für ihre Kinder nur das Allerbeste!

Egal wo man hinsieht oder liest, überall wird von „Bedürfnisorientierter Erziehung“ gesprochen. Damit macht ihr alles richtig!?

Ein wundervoller Plan – wenn nur alle wüssten, was damit gemeint ist. Denn es geht nicht nur um die Erfüllung aller Wünsche der Kinder.

Zuerst müssen wir Bedürfnisse und Wünsche unterscheiden.

Der Einfachheit halber halte ich mich an die kleine Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow. Er hat es meines Erachtens sehr anschaulich erklärt:

Die unterste und wichtigste Stufe sind die physiologischen Bedürfnisse: Hunger, Durst, Schlaf, Luft und körperliche Gesundheit.
Diese Bedürfnisse sind elementar, Überlebenswichtig und nicht verhandelbar. Wer Hunger und Durst hat oder müde ist, kann sich keiner anderen Aufgabe zuwenden.

Die 2. Stufe sind Sicherheitsbedürfnisse: Schutz vor Gefahren und Stabilität im Wohnumfeld und der mich umgebenden Menschen.
Auch diese Bedürfnisse sind besonders im Kindesalter nicht verhandelbar. Kinder die in einer unsicheren Umgebung aufwachsen, bei Eltern, die nicht regelmäßig da sind; ständiger Wechsel der Umgebeung und Bezugspersonen ohne ausreichende Bindung – können sich nicht frei entwickeln und selbstsichere Menschen werden. Denn sie sind den ganzen Tag nur auf der Suche nach Sicherheit.

Die 3. Stufe sind soziale Bedürfnisse: der Wunsch nach Zugehörigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen, Freundschaften, Liebe und Familie.

4. Individualbedürfnisse: von anderen akzeptiert werden, Achtung, Selbstvertrauen, Wertschätzung, Erfolg und Unabhängigkeit.

Die 5. und letzte Stufe ist die Selbstverwirklichung: das Ausschöpfen aller persönlicher Möglichkeiten im selbst gewählten Bereich. Diese Stufe wird oft als unerreichbar bezeichnet.

Solltet ihr euch genauer mit den Bedürfnissen eurer Kinder auseinandersetzen wollen, empfehle ich euch diesen Artikel aus familienhandbuch.de

Wie unterscheidet ihr nun aber Bedürfnisse und Wünsche

Bedürfnisse sind Dinge, die wir zum Überleben brauchen – Wünsche sind alles, die mir das Leben angenehmer machen.
Mit dieser kleinen Faustregel kann man schnell unterscheiden ob es sich um ein Bedürfnis oder einen Wunsch handelt.

Hier noch ein paar Beispiele:

Ihr sitzt gemeinsam am Tisch und wollt Essen. Euer Kind will aber etwas anderes als gerade angeboten wird.
Das Bedürfnis ist täglich ausreichend, bekömmliche Nahrung. Der Wunsch ist ein bestimmtes Angebot, z.B. Nudeln oder süßen Brei.
Hier kommen nun die Bedürfnisse der Eltern ins Spiel: Möchtet ihr, dass euer Kind verschiedene Lebensmittel kennenlernt, dann entscheidet ihr, was auf den Tisch kommt.
Möchtet ihr lieber nur keinen Streß und den leichten Weg, dann wird sich euer Kind wohl sehr einseitig ernähren.

Nach einem langen Tag kommen alle nach Hause und sind geschafft. Euer Kind hängt an euch und will mit euch spielen. Ihr müsst zur Toilette oder wollt erstmal einen Kaffee.
Das Bedürfnis eures Kindes ist Zuwendung, Kontakt und sichere Bindung. Die ständige Verfügbarkeit einer bestimmten Person ist der Wunsch.
Euer Kind braucht – je nach Alter – den Kontakt zur Bindungsperson. Es muss aber nicht unbedingt immer die gleiche Person sein.
Euer Bedürfnis nach Toilette oder Kaffee ist genauso wichtig. Wenn der Kontakt zu einer Bindungsperson hergestellt ist, kann sich der andere gern seinen Bedürfnissen widmen.

Auch Eltern haben Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Erwachsene können ihre Bedürfnisse zwar oft zurückstellen, doch auf Dauer hält das niemand aus.

Darum achtet auf euch, erfüllt die Bedürfnisse eurer Kinder, dann eure und dann kommen die Wünsche.

Radfahrer auf Waldweg

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Über mich

Profilbild von Susanne Schmidt – Erzieherin mit Herz & Seele und Elterncoach für den sanften Weg in die Fremdbetreuung.

Hallo, ich bin Susanne

Nach einem intensiven Start mit eurem Kind ist es an der Zeit, über die Möglichkeiten der Betreuung außerhalb der eigenen Wohnung nachzudenken.

Um eure Fragen zur Fremdbetreuung und der Phase der Eingewöhnung zu beantworten, schreibe ich diesen Blog.

Das bin ich, ganz kurz

Ich bin Susanne Schmidt und seit vier Jahrzehnten Erzieherin bei Kindern von 1-10 Jahren. Im Laufe dieser Zeit habe ich viele, viele Kinder und ihre Eltern an den Tageslauf und Rhythmus der jeweiligen KiTa herangeführt und sie „eingewöhnt“.

Dabei fiel mir immer wieder auf, wie wenig diese Eltern sich vor dem Schritt in die Kita Gedanken gemacht haben, was da auf sie zukommt.

Dies möchte ich ändern.

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